Testbericht: Bowers & Wilkins P5

DSC01410-BlogDieser Testbericht entstand mitten in der Suche nach einem neuen Kopfhörer für Unterwegs. Meine klanglichen und auch leider schmerzhaften Erfahrungen mit diesem eleganten Schmuckstück erfährt ihr hier.

Alles fing mit einem Umzug meinerseits in eine neue Wohnung an. Da ich in der früheren Wohnung meine Musik über die Anlage ohne schlechtes Gewissen aufdrehen konnte und auch mal ein Livealbum in nahezu Konzertlautstärke keine Probleme bereitete – ich zog von einer Altbauwohnung in eine Neubauwohnung um – machte ich in der neuen Bude gleich nach den ersten paar Tagen Bekanntschaft mit meinem, ein Stockwerk tiefer wohnenden Nachbarn, der sich wegen der Lautstärke, die plötzlich fast jeden Abend in seine Wohnung durchdrang, beschwerte.

Aus diesem Grund beschloss ich, auch weil sich mit dem vor ein paar Jahren veränderten Musikgeschmack meine audiophilen Ansprüche erhöhten, mich auf die schon länger gewünschte Klangverbesserung im Bereich „Musik für Unterwegs“ in Form eines Kopfhörers zu konzentrieren.

Nach einschlägigem Forumsdurchforsten, stieß ich auf die relativ neuen Kopfhörer Namens P5 von Bowers & Wilkins. Die in erster Linie für Standlautsprecher höchster Güte stehende Firma mit Sitz in England, hatte sich tatsächlich in das Kopfhörerbussiness eingemischt. Da die Klangeindruecke von diversen Forenusern unterschiedlicher nicht sein könnten, kam ich nicht drum herum, die Klangbeurteiung selbst in die Hand zu nehmen.

Nachdem ich feststellen musste, dass es die P5 leider in meiner Gegend nirgends zum Probehören gab, bestellte ich mir kurzerhand ein Exemplar über’s Weltweite Netz.

Lieferumfang und erste Eindrücke

In eleganter und schlicht schwarzer Verpackung kam 2 Tage später der Kopfhörer zu mir. Beim Auspacken stach die sehr edel anmutende Kopfhörerschale aus gebürstetem Aluminium und mit sehr weichem neuseeländischen Schafsleder überzogen ins Auge. Solch edel verarbeitete Bügelkopfhörer hatte ich noch nicht in der Hand gehabt. Soweit das Auge reicht hochwertige Materialien, kein Plastik, nichts knarzt und das Wichtigste, man hat nicht gleich das Gefühl, durch genaueres Hinsehen den Kopfhörer zu demolieren. Erstes und auch einziges Manko von der Verarbeitungsqualität war das, zwar austauschbare, aber sehr dünne Kabel, welches vom linken Ohrhörer einseitig herausgeführt wird.

Der Lieferung umfasst den Kopfhörer, ein 1,5 Meter langes Klinkenkabel (3.5mm auf 2.5mm) zum Tauschen – Standardmässig dabei ist ein abnehmbares Klinkenkabel mit integrierter Freisprecheinrichtung und Fernbedienung (funktioniert nur mit Appleprodukten). Die Musik überträgt aber dieses Kabel genauso von jeder anderer Quelle auf die Ohren, nur die Fernbedienung und Freisprecheinrichtung bleibt ohne Funktion. Des weiteren befinden sich ein Adapterstecker von 3.5mm auf das Hifimaß 6.35mm und eine Tragetasche aus Samt für die Kopfhörer im Lieferumfang.

Bei so viel Verarbeitungsqualität und Designallüren konnte ich es kaum erwarten, die P5 auf dem Kopf zu tragen und der Musik zu lauschen.

Testumgebung

Abspielgeräte:

Cowon iAudio7 MP3 Player

IPhone 4

Denon UCD F88 (CD-Player)

HP Compaq 2510p (Foobar 2000 mit Win XP ASIO Plugin)

Verstärker:

Denon UPA-F88

FiiO E17

Klangliches

Der Bowers & Wilkins wurde mit so ziemlich jedem relevanten Genre befeuert, welches ich zur Verfügung habe. Das ging von Klassik ala Mahlers Fünfte und Wilhelm Kempffs Interpretation der Mondscheinsonate im klassischen Sinn über E.S.T. und Ralf Towner als Jazzreferenz, Frauenstimmen wie Regina Spektor und Lou Rhodes, Metalballaden von Dissection bis hin zu Triphoppigen Lamb-Stücken und electronischen Rhythmen von The Knife. Am Schluss gab’s noch einen kleinen Filmausschnitt zur Probe…

Begonnen wurde mit der Disziplin Bassschnelligkeit. Dissection: The Somberlain beginnt mit einem melodischen, 3 Stimmigen Gitarrenpart worauf sogleich schnelle Doublebass-Einlagen und blackiges Gekreische folgen. Die verzerrten Gitarren stellte der Kopfhörer ohne große Probleme aus tonaler Sicht dar. Im oberen Bassbereich bzw. Grundton trat der B&W teilweise schon etwas zu Großspurig auf. Die Hi-Hats vom Schlagzeug klangen irgendwie seltsam zurückhaltend aber doch auch präsent.

Um gleich die tonale Besonderheit dieser Kopfhörer anzusprechen, empfielt sich ein Akustikgitarrenstück von Ralf Towner. Sehr voll und glaubhaft kamen die fein auflösenden Gitarrenakkorde und Einzeltöne im zweiten Stück des gleichnamigen Albums, Anthem zur Geltung. Hier spielte der Kopfhörer seine Stärken aus. Überhaupt scheinen ihm Gitarren mehr zu liegen als z.B. klassisches Klavier. Aber dazu später mehr… Wahrscheinlich liegt das an den etwas angehobenen Mitten, die der Kopfhörer wirklich mit Bravour herauszuarbeiten im Stande war.

Als drittes Vergleichsalbum hielt die neueste Kreation von Regina Spektor her. Das Album Far besticht durch schöne Balladen wie Man of a thousand faces, poppig angehauchte Liebesgeschichten wie Dance anthem of the 80’s und Percussion- und Synthesizer-unterstützte Stücke wie Machine. Beim ersten Stück(Man of a thousand faces) merkte man, was der Kopfhörer im Mitten-bereich drauf hatte. Die Stimme Regina Spektors wurde kräftig herausgearbeitet und man hatte nicht das Gefühl nur Instrumente zu hören. Allerdings wurden hier auch gleich die ersten Schwächen des Bowers und Wilkins sichtbar: Das Klavier wirkte sonderbar ausgedünnt und zurückhaltend. Einfach nicht so, wie ein Klavier klingen sollte.  Beim zweiten Stück (Dance anthem of the 80’s) setzte sich dieser Eindruck fort. Allerdings kam das Schlagzeug schön zur Geltung und die Bassdrum klang auch nicht zu schwammig. Im letzten Teststück (Machine) kam die Auflösungsschwäche dieser Kopfhörer gut zur Geltung. Die am Anfang agierenden metallisch klingenden Beats verloren an Auflösung und man konnte die einzelnen Schläge nur mit Mühe aus den nachklingenden, vorangegangenen heraushören.

Um den Eindruck der etwas seltsamen Hochtonpräsenz und des verfärbten Klaviers weiter zu veranschaulichen wurde ein Jazzalbum von Esbjörn Svensson Trio (Viaticum) herangezogen. Das Klavier klang hier wieder wie bei Regina Spektor nicht richtig. Vermutlich weil die Obertöne, die ein Klavier so fein klingen lassen, nahezu vollständig fehlten. Die Superhochtonabstinenz des B&W kann man ganz gut anhand des Stückes The unstable table & the infamous fable zeigen. Bereits zu Beginn wird das seidige Spiel mit dem Besen unterschlagen und übrig bleibt nur ein eher zu erratender als tatsächlich existenter Anschlag. was wieder in der nahezu perfekten Dosis wiedergegeben wird ist der Kontrabass.

Um in die „Königsklasse der Musik“ vorzustoßen, der Klassik, wurde die neunte Symphonie von Antonin Dvorák ausgewählt. Aus dieser Symphonie sticht besonders das Scherzo: Molto Vivace hervor. In der Anfangsphase werden die bereits bekannten Schwächen des Kopfhörers ganz besonders herausgearbeitet: Einmal mehr hört man das Helle Triangel nicht ausschwingen und nur ein Pieps-artiger Laut beim Anschlag ist zu vernehmen. Mit den Streichern hat der Kopfhörer aufgrund seiner Schwäche in den oberen Mitten so seine Probleme. Ihnen fehlt es an Durchzugskraft und ihre Klangfarben wollen auch nicht so recht stimmig klingen. Die Trompeten stellt der kleine B&W aber ganz tadellos dar.

Fazit

Was bleibt nun bei einer derartigen Offenbarung der Schwächen noch als positives Resümee übrig? Die Vorzüge dieses Kopfhörers liegen ganz klar im Akustikbereich. Gitarren werden Dank des etwas vollmundigeren Grundtons bis hin zu den unteren Mitten wahrhaftig bombastisch gut dargestellt. Anders als bei Klavier und Streichern fällt der Mangel an Superhochton Instrumentenbedingt nicht ins Gewicht. Der Bass wirkt zumindest bei Kontrabässen und anderen Bassinstrumenten stimmig und wird nicht zu sehr überbetont.

Durch die Anhebung des Grundtons und der unteren Mitten wirken einige Stücke aber wiederum etwas zu dumpf, da ihnen die Obertöne fehlen und durch die Anhebung im Unteren Frequenzspektrum etwas die Brillianz geraubt wird – was auch gleich einer der schwerwiegendsten Kritikpunkte am B&W ist: Eine Betonung in den unteren und mittleren Höhen, gepaart mit einem steilen Abfall im Superhochton lässt Becken und Hihats nicht richtig ausklingen und dadurch eher nervig denn stimmig klingen. Dieses verhalten – auch ohne der Anhebung im Hochton – ist von B&W aber auch von ihren Standlautsprechern der unteren bis mittleren Preisklasse bekannt und scheint zum Housesounding zu gehören.

Subjektive Einschätzung (in Schulnoten):

Verarbeitung: Sehr Gut

Instrumentenseparation: Befriedigend

Detailreichtum: Gut

Allroundeigenschaften: Genügend

Klangperformance gesamt: Befriedigend

Preis/Leistung: Befriedigend

Gesamturteil: Befriedigend